Gruppentherapie für Kinder und Jugendliche
Was ist Gruppentherapie?
In der Gruppentherapie arbeiten mehrere junge Menschen gemeinsam an ihren persönlichen Herausforderungen. Diese bewährte Behandlungsform nutzt die heilsame Kraft der Gemeinschaft und ermöglicht es Kindern und Jugendlichen, in einem geschützten Rahmen neue Erfahrungen zu sammeln. Im Mittelpunkt stehen dabei die Begegnungen der Teilnehmenden im Hier und Jetzt – also das, was unmittelbar zwischen den jungen Menschen geschieht, während sie zusammen sind.
Wie funktioniert Gruppentherapie?
Anders als in der Einzeltherapie entstehen in der Gruppe natürliche Beziehungen zwischen den Teilnehmenden. Dabei zeigen sich oft dieselben Muster, die auch im Alltag – in der Familie, Schule oder im Freundeskreis – problematisch sind. Der große Vorteil: Diese Verhaltensweisen können direkt in der Gruppe erkannt, verstanden und verändert werden.
Was im Kontakt miteinander entsteht, lässt sich unmittelbar mit der eigenen Lebensgeschichte, den vertrauten Beziehungsmustern und den aktuellen Belastungen verknüpfen. So macht die Gruppendynamik unbewusste Konflikte sichtbar und erlebbar. Während ein Kind oder Jugendlicher in der Einzeltherapie nur erzählen kann, wie schwierig Freundschaften sind, erlebt es in der Gruppe unmittelbar, wie Beziehungen entstehen und sich entwickeln. Diese direkte Erfahrung ist oft überzeugender als jede Erklärung.
Was erleben die Teilnehmenden in der Gruppe?
Ein zentrales Ziel der Gruppe ist die Entwicklung der Fähigkeit zur Co-Regulation: Schwierige Gefühle müssen nicht allein bewältigt werden, sondern können im Kontakt mit anderen getragen werden. Die jungen Menschen lernen, in der Gruppe selbst dann Halt zu finden, wenn Gefühle belastend sind – und diesen Halt auch anderen zu geben. Wer traurig ist, kann Trost erfahren; wer Angst hat, Beruhigung; wer unsicher ist, kann von der Gruppe getragen werden und Sicherheit aufbauen.
Die Gruppe lebt von Offenheit, gegenseitiger Resonanz und der gemeinsamen Erforschung von Gefühlen, Gedanken und Beziehungserfahrungen. Genau diese Erfahrung – mit den eigenen Gefühlen nicht allein zu sein – stärkt das Vertrauen in sich selbst und in andere.
Für wen ist Gruppentherapie geeignet?
Studien belegen, dass Gruppentherapie genauso erfolgreich ist wie Einzelbehandlungen. Besonders hilfreich ist sie für junge Menschen, die Schwierigkeiten im Umgang mit Gleichaltrigen haben, sich zurückziehen oder aggressiv reagieren. Auch bei Ängsten, Depressionen oder psychosomatischen Beschwerden kann die Gruppe heilsam wirken. Förderlich ist es, wenn Patient*innen bereits eine erste Ahnung davon entwickeln können, dass die eigenen Schwierigkeiten mit dem Erleben in Beziehungen zu anderen zusammenhängen.
Nicht für jeden ist Gruppentherapie der richtige Weg. In bestimmten Situationen ist eine Gruppe – zumindest zunächst – nicht der passende Rahmen, etwa bei akuter Suizidalität, aktueller Selbstverletzung, stark fixierten körperlichen Krankheitsüberzeugungen, schweren Persönlichkeitsstörungen oder Erkrankungen aus dem schizophrenen Spektrum. In ausführlichen Vorgesprächen klären wir gemeinsam, ob diese Behandlungsform geeignet ist oder ob eine andere Therapieform besser passt.
Wie läuft eine Gruppentherapie ab?
Meine therapeutischen Gruppen bestehen aus 6 bis 8 Teilnehmenden ähnlichen Alters. Sie treffen sich einmal wöchentlich für 100 Minuten und sind überwiegend als geschlossene Gruppe organisiert – das heißt, die Teilnehmenden bleiben weitgehend dieselben. So entsteht ein verlässlicher und vertrauter Rahmen. Hier können die jungen Menschen:
- Vertrauen zu anderen aufbauen
- Konfliktlösung üben
- Selbstvertrauen entwickeln
- Empathie stärken
- Neue Verhaltensweisen ausprobieren
Als Therapeutin begleite ich diesen Prozess, ohne zu bewerten oder zu urteilen. Die Gruppe selbst wird zum Übungsfeld für das Leben außerhalb der Therapie.
Praktische Informationen
Gruppentherapie ist in vielen Kliniken und Praxen ein bewährtes Standardverfahren geworden. Sie bietet eine kostengünstige und gleichzeitig hochwirksame Behandlungsmöglichkeit, die den besonderen Bedürfnissen von Kindern und Jugendlichen gerecht wird.
Die Kosten für Gruppentherapie werden sowohl von gesetzlichen als auch von privaten Krankenkassen übernommen.